So wie sein Pendant, der östlich gelegene Hengstpavillon A, ist auch der ehemalige Hengstpavillon B oktaedrisch gebaut. Somit bildeten beide nicht nur architektonisch, sondern auch funktionell eine Einheit mit dem kleinen Boxenlaufstall für fremde Stuten.
In diesen beiden Hengstpavillons waren die für die Landespferdezucht eingesetzten Hengste untergebracht, die wiederum der Vermehrung und Veredlung von Arbeits- und Nutzpferden dienten.
Die Stuten, die von außerhalb kamen und im kleinen Boxenstall nahe den Hengstpavillons untergebracht waren, wurden anschließend mit den für die Landespferdezucht vorgesehenen Hengsten angepaart. Dabei ist insbesondere hervorzuheben, dass sich dieser Teil des Gestütes weit genug von den übrigen Gebäuden des Hauptgestütes entfernt befand. Die Gefahr der Einschleppung von Tierseuchen in den wertvollen Vollblutzuchtbestand ist damit minimiert worden.
Der Hengstpavillion B wurde von der katholischen Glaubensgemeinschaft unter Pater Haimo zu einer Kapelle umgebaut, die ihren ganz eigenen außergewöhnlichen Charme hat. In der Kapelle kann auch eine Nachbildung der Madonna von Stalingrad betrachtet werden.

Sie ist ein Bild des Theologen und Truppenarztes Kurt Reuber (1906–1944), der zuvor eine Pfarrstelle in Wichmannshausen innehatte, bevor er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Im Jahr 1942 war er gemeinsam mit der 6. Armee in Stalingrad eingekesselt, wobei die Lage von Tag zu Tag aussichtsloser wurde. Das kostetet somit zahllosen Menschen auf beiden Seiten – sowohl der sowjetischen als auch der deutschen – das Leben.
Madonna von Stalingrad
Inmitten dieser ausweglosen Situation malte Reuber zu Weihnachten sein Hoffnungsbild, welches schließlich mit einem der letzten Flugzeuge ausgeflogen wurde.
„Licht, Leben, Liebe“ steht in großen Lettern neben der Madonna, die ihren Mantel schützend über ihr Kind breitet, wodurch ein starkes Symbol für Geborgenheit und Hoffnung entsteht. Die originale Kohlezeichnung, die auf der Rückseite einer Landkarte entstand, wurde auf diese Weise zu einem eindrucksvollen Hoffnungsbild und befindet sich heute in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

Hengspavillion A (im Vordergrund) und B – jetzt eine Kapelle


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