Der sogenannte Waldstall liegt an der Waldgrenze im Südwesten der Gesamtanlage mit Zugang zu teilweise im Wald gelegenen Koppeln. Oberlandstallmeister Burchard v. Oettingen plante dieses Gebäude für Jungstuten und güste Stuten. Eine güste Stute ist in der Pferdezucht ein weibliches Pferd, das im aktuellen Jahr nicht tragend ist und kein Fohlen bei Fuß führt.


Nachdem die Rückverlegung der Vollblüter aus Altefeld nach Graditz im Jahr 1929 erfolgt war, wurde auch dieser Stall zu Siedlungszwecken verpachtet und seitdem landwirtschaftlich genutzt. Allerdings wurde das Altefelder Gestüt bereits 1936 zusammen mit Mansbach zum Remonteamt umgewandelt, das heißt, hier wurden Pferde für das Heer aufgezogen. Der Waldstall fungierte dabei in diesen Jahren als sogenannter „Aufnahmestall“. Dort kamen die abgesetzten Fohlen an, wurden gemustert und anschließend in den nächsten 15 bis 17 Monaten zu Jungpferden (Remonten) für den Kriegsdienst auf dem Gelände des ehemaligen preußischen Hauptgestüts aufgezogen. Darüber hinaus waren auch zu den Zeiten des Heeresgestüts, also von 1940 bis 1945, im Waldstall Jährlinge und zweijährige Pferde untergebracht.
Architektonisch verschmelzen die Wärterhäuschen perfekt mit dem imposanten Fachwerk geprägten Stallgebäude.

Alexandra Scherping, die 1962 neben anderen Gebäuden auch diesen Stall käuflich erwarb, änderte daran nichts. Während der Waldfrieder Gestütszeiten stand dieser Stall ebenfalls den Jährlingspferden zur Verfügung.
Der eingefasste Platz zwischen Stallung und Wärterhäuschen war ursprünglich ein Paddock. Zu den Remonte- und Heeresgestütszeiten der „Musterplatz“, auf dem das Pferdematerial gesichtet und beurteilt wurde.



1981 ging der Waldstall in den Besitz der Familie Graf über und wird heute landwirtschaftlich genutzt.



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